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Atemtechnik

Bauchatmung lernen: Eine klare 5-Schritte-Anleitung

Von Andreas Jansen · 29. Juli 2026 · 8 Min.

Frau liegt entspannt auf einer Matte und übt bewusstes, tiefes Atmen in den Bauch
Foto: Arina Krasnikova / Pexels

Du sitzt im Wartezimmer beim Zahnarzt, dein Name wird gleich aufgerufen, und dein Atem ist längst oben im Brustkorb angekommen, kurz und hektisch, kaum spürbar tief. Genau in solchen Momenten lohnt sich ein bewusster Wechsel: die Bauchatmung, im medizinischen Fachbegriff Zwerchfellatmung, weil dabei vor allem das Zwerchfell arbeitet, der große Muskel, der deinen Brust- vom Bauchraum trennt.

Bauchatmung ist eine unkomplizierte Technik ganz ohne Zählen und Halten, einfach die Atembewegung, mit der du als Baby noch ganz selbstverständlich geatmet hast, bevor Bürostuhl und Termindruck sie Stück für Stück in den Brustkorb hochgezogen haben.

Zurück in den Bauch findest du in wenigen Minuten, ganz ohne Vorerfahrung.

Kurz gesagt: Bei der Bauchatmung leitest du deinen Atem bewusst in den unteren Bauchraum, sodass sich beim Einatmen dein Bauch hebt und beim Ausatmen wieder senkt, statt nur den Brustkorb zu bewegen. Verantwortlich dafür ist das Zwerchfell, der kuppelförmige Muskel unterhalb der Lunge, weshalb Mediziner auch von Zwerchfellatmung sprechen. Die tiefere, langsamere Atmung aktiviert den Parasympathikus und wirkt dadurch unmittelbar beruhigend auf dein Nervensystem.

5 Schritte für die Bauchatmung

  1. Position finden: Leg dich flach auf den Rücken, die Knie leicht aufgestellt oder mit einem Kissen darunter, oder setz dich aufrecht hin, wenn Liegen gerade nicht geht. Im Liegen spürst du die Bewegung am Anfang meist deutlicher als im Sitzen.
  2. Hände auflegen: Leg eine Hand flach auf deinen Bauch, kurz unterhalb des Nabels, und die andere auf deinen Brustkorb. So merkst du gut, welche Hand sich beim Atmen stärker bewegt, und kannst die Bauchatmung von der gewohnten Brustatmung unterscheiden.
  3. Ruhig durch die Nase einatmen: Atme langsam durch die Nase ein und lass zu, dass sich dein Bauch dabei nach außen wölbt. Die untere Hand hebt sich, die obere Hand auf der Brust bleibt möglichst ruhig liegen.
  4. Länger wieder ausatmen: Lass die Luft locker durch Mund oder Nase entweichen, etwas langsamer als du eingeatmet hast, dein Bauch sinkt dabei unter der Hand zurück. Wichtig ist, dass du dabei nicht aktiv presst, sonst verspannt sich der Bauch eher, statt loszulassen.
  5. Ein paar Minuten wiederholen: Bleib 5 bis 10 Atemzüge in diesem Rhythmus, gern auch länger. Am Anfang reicht es, das ein- bis zweimal täglich für wenige Minuten zu üben, bis sich die Bewegung von selbst einstellt.

So übst du die Bauchatmung mit der Animation

Leg dich für den Einstieg am besten flach hin, mit einer Hand auf dem Bauch als Kontrolle. Sobald sich die Bewegung vertraut anfühlt, funktioniert sie genauso im Sitzen, also gerade dann, wenn du sie im Alltag zwischendurch brauchst.

Ich habe dir die Animation aus der 8Breath App hier eingebaut: Die Lichtsäule steigt beim Einatmen und sinkt beim Ausatmen wieder ab, ein simples Bild für die Bewegung, die eigentlich in deinem Bauch passiert. Atme einfach mit.

Bauchatmung: Animierte Übung
Bauchatmung: 4 Sek. einatmen · 6 Sek. ausatmen

4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen, ist dabei nur ein Vorschlag für den Einstieg, kein festes Gesetz. Wichtiger als die genaue Sekundenzahl ist, dass die Ausatmung etwas länger dauert als die Einatmung und dass sich der Bauch dabei wirklich bewegt. In der App 8Breath kannst du dir das Tempo mit Ton und Timer vorgeben lassen, falls dir das beim Üben hilft.

Funktionsweise der Bauchatmung

  • Rhythmus: Ruhig durch die Nase einatmen, etwas länger wieder ausatmen
  • Wirkung: Nutzt mehr Lungenvolumen und aktiviert über den Vagusnerv den Parasympathikus
  • Dauer: 5 bis 10 Atemzüge, bei Bedarf auch länger
  • Am besten: Ein- bis zweimal täglich ein paar Minuten üben, bis die Bewegung automatisch wird

Warum die Bauchatmung dein Nervensystem beruhigt

Wenn sich dein Zwerchfell beim Einatmen nach unten bewegt, entsteht in der Lunge ein leichter Unterdruck, der die Luft bis in die unteren Lungenflügel zieht, dort, wo in Ruhe die meisten Bläschen für den Gasaustausch liegen. Bei flacher Brustatmung bleibt dieser untere Bereich oft kaum genutzt.

Eine Studie von Ma und Kollegen aus dem Jahr 2017 ließ eine Gruppe gesunder Erwachsener acht Wochen lang täglich Zwerchfellatmung üben. Danach zeigte die Gruppe eine bessere Aufmerksamkeitsleistung, weniger negative Stimmung und niedrigere Cortisolwerte, also weniger vom wichtigsten Stresshormon, im Vergleich zur Kontrollgruppe (Ma et al., 2017). Acht Wochen sind mehr als eine einzelne Übungseinheit, das zeigt aber auch, dass sich der Effekt vor allem mit Übung über Zeit aufbaut.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Die etwas längere Ausatmung, die bei der Bauchatmung fast von selbst entsteht, aktiviert über den Vagusnerv den Parasympathikus, den Teil deines Nervensystems, der Puls und Anspannung senkt (Zaccaro et al., 2018). Diesen Mechanismus nutzen im Grunde alle langsamen Atemtechniken, wie du in unserem Grundlagenartikel zum richtigen Atmen nachlesen kannst, von der 4-7-8-Atmung bis zur kohärenten Atmung. Die Bauchatmung ist dabei die einfachste Form, weil sie ganz ohne Zählen auskommt.


Bauchatmung oder Brustatmung: Gibt es einen Unterschied?

Bei der Brustatmung heben sich vor allem Brustkorb und Schultern, bei der Bauchatmung bewegt sich stattdessen der Bauch. Beide Bewegungen gehören zur normalen Atmung. Unter Anstrengung oder akutem Stress schaltet dein Körper automatisch mehr auf Brustatmung um, eine sinnvolle kurzfristige Anpassung. Bleibt sie aber dauerhaft, etwa den ganzen Arbeitstag am Schreibtisch, fehlt dir die tiefere, ruhigere Atmung in den Pausen dazwischen.

Am eigenen Körper lässt sich der Unterschied gut mit einem einfachen Test erkennen: Eine Hand auf den Bauch, eine auf die Brust, dann ein paar Atemzüge beobachten, ohne bewusst gegenzusteuern.

Der Hand-Test: Bauch- oder Brustatmer?

Für wen die Bauchatmung besonders hilfreich ist

Am meisten profitieren Menschen, die tagsüber viel sitzen und merken, dass ihre Atmung dabei immer flacher wird, zum Beispiel am Schreibtisch oder im Auto. Für den akuten Moment zwischendurch findest du im Artikel über Atmung gegen Stress noch weitere kurze Techniken für genau solche Situationen.

Ich finde, gerade weil Bauchatmung kostenlos und jederzeit verfügbar ist, lohnt sie sich als Vorbeugung, nicht erst als Reaktion auf Stress, der schon da ist. Ich hoffe, dass unser Gesundheitssystem irgendwann stärker auf solche einfachen, vorbeugenden Mittel setzt, statt vor allem auf Behandlung, wenn längst etwas aus dem Gleichgewicht ist.

Auch Sängerinnen und Blasmusiker trainieren die Bauchatmung gezielt, weil sie damit ihre Ausatmung länger und kontrollierter abgeben können als bei flacher Brustatmung. In der Schwangerschaft hilft sie vielen zusätzlich, weil der wachsende Bauch die Atmung ohnehin verändert, sprich neue Übungen dabei am besten kurz mit deiner Hebamme oder Frauenärztin ab, wenn du unsicher bist. Und falls dir abends die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, kombinieren viele Bauchatmung mit einer der Techniken aus unserem Artikel zum besseren Einschlafen durch Atmung.


Worauf du bei der Bauchatmung achten solltest

Bauchatmung ist eine sehr sanfte Technik, ganz ohne Zählen oder Anhalten des Atems, das Risiko ist entsprechend gering. Wird dir während der Übung schwindlig, atme einfach normal weiter und versuch es später noch einmal in einem ruhigeren Moment, das kommt gelegentlich vor, wenn der Körper das langsamere Tempo erst nicht gewohnt ist.

Hast du eine Zwerchfellhernie, eine frische Bauch- oder Brustoperation hinter dir oder eine diagnostizierte Angststörung mit häufigen Panikattacken, sprich die Übung vorher kurz mit deiner Ärztin oder deinem Therapeuten ab. Bei akuter, starker Atemnot oder Schmerzen im Brustkorb gehört das immer unter den Notruf 112, keine Atemtechnik ersetzt das.

Beim nächsten Wartezimmer-Moment, kurz bevor dein Name aufgerufen wird, leg für zwei Minuten eine Hand auf den Bauch und beobachte, was mit deinem Atem passiert, statt einfach nur zu warten. Bewegt sich dabei kaum etwas, ist das völlig normal, und genau der Moment, ab dem sich Üben lohnt.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bauchatmung und Zwerchfellatmung?

Keiner, es sind zwei Namen für dieselbe Atembewegung. Bauchatmung beschreibt, was du von außen siehst, der Bauch hebt und senkt sich. Zwerchfellatmung benennt den Muskel, der das antreibt, das Zwerchfell unterhalb deiner Lunge. In Ratgebern und beim Arzt hörst du beide Begriffe, gemeint ist immer dasselbe.

Wie erkenne ich, ob ich gerade in den Bauch oder in die Brust atme?

Nutz dafür den Hand-Test weiter oben im Artikel: Eine Hand auf den Bauch, eine auf die Brust, dann ein paar Atemzüge ganz normal beobachten. Bewegt sich vor allem die untere Hand, atmest du bereits überwiegend in den Bauch. Bewegt sich eher die obere, lohnt sich die Anleitung oben, um das bewusst zu üben.

Wie oft und wie lange sollte ich Bauchatmung üben?

Für den Anfang reichen ein- bis zweimal täglich fünf bis zehn Minuten, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen. Wichtiger als die Dauer einer einzelnen Einheit ist, dass du regelmäßig dranbleibst, dann wird die tiefere Atmung nach ein paar Wochen automatischer, auch außerhalb der bewussten Übung.

Kann ich Bauchatmung auch im Sitzen üben, oder muss ich dafür liegen?

Liegen macht den Einstieg meistens leichter, weil du die Bewegung des Bauchs besser spürst und die Bauchmuskeln entspannter sind. Sobald du ein Gefühl dafür hast, funktioniert die Übung genauso im Sitzen, zum Beispiel am Schreibtisch, nur mit aufrechtem statt rundem Rücken, damit der Bauch überhaupt Platz hat, sich zu bewegen.

Ist Brustatmung ungesund, oder muss ich jetzt komplett auf Bauchatmung umstellen?

Nein, Brustatmung ist Teil der normalen Atmung und wird bei Anstrengung oder Aufregung automatisch stärker, das ist keine Fehlfunktion. Problematisch wird es erst, wenn du auch in Ruhephasen, etwa entspannt am Schreibtisch oder abends auf dem Sofa, dauerhaft nur noch flach in die Brust atmest. Genau für diese Ruhemomente lohnt sich die bewusste Bauchatmung.

Wie lange dauert es, bis sich die Bauchatmung von selbst einstellt, ohne dass ich extra daran denken muss?

Das ist individuell verschieden, viele merken nach etwa zwei bis vier Wochen regelmäßigem Üben, dass sich die Atmung in ruhigen Momenten von selbst vertieft. Bei mir hat es geholfen, die Übung an eine feste Situation zu koppeln, etwa direkt nach dem Aufwachen, statt auf einen zufälligen Moment im Tag zu hoffen.

Hilft Bauchatmung auch bei Angst oder in einer beginnenden Panikattacke?

Ja, die verlängerte Ausatmung, die bei der Bauchatmung fast automatisch entsteht, wirkt auch bei akuter Aufregung beruhigend auf den Puls. Für den akuten Moment selbst findest du im Artikel über Atemübungen gegen Angst noch gezieltere Techniken wie die Box-Atmung, die Bauchatmung ist aber eine gute, unauffällige Basis, die du überall einsetzen kannst.

Kann Bauchatmung in der Schwangerschaft helfen, oder gibt es etwas zu beachten?

Viele Schwangere üben Bauchatmung bewusst, weil sich das Atemgefühl durch den wachsenden Bauch ohnehin verändert und tiefere Atmung oft als angenehm empfunden wird. Sprich neue Übungen in der Schwangerschaft trotzdem am besten kurz mit deiner Hebamme oder Frauenärztin ab, besonders wenn Beschwerden wie Kurzatmigkeit schon bestehen.

Warum üben Sängerinnen und Blasmusiker gezielt Bauchatmung?

Weil sie damit ihre Ausatmung länger und gleichmäßiger kontrollieren können als bei flacher Brustatmung, das brauchen sie für lange Töne und Phrasen. Auch wenn du nicht singst oder ein Instrument spielst, profitierst du vom selben Prinzip: Eine ruhigere, kontrollierte Ausatmung wirkt sich direkt auf dein Nervensystem aus.

Was mache ich, wenn mir beim Üben der Bauchatmung schwindlig wird?

Atme einfach normal weiter und mach für den Moment eine Pause, Schwindel entsteht meistens, wenn zu Beginn unbewusst zu tief oder zu schnell geatmet wird, statt ruhig und in normalem Tempo. Probier es später noch einmal, etwas langsamer und mit kürzeren Einheiten, wiederkehrender oder starker Schwindel gehört aber ärztlich abgeklärt, nicht wegtrainiert.

Ist Bauchatmung bei COPD oder Asthma geeignet, oder brauche ich dafür eine andere Technik?

Bauchatmung wird auch bei COPD und Asthma eingesetzt, oft in Kombination mit der Lippenbremse, die zusätzlich die Atemwege beim Ausatmen offen hält. Wenn du eine dieser Diagnosen hast, lern die Kombination am besten einmal angeleitet im Lungensport oder in der Physiotherapie, damit sie genau auf deine Situation abgestimmt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Bauchatmung und der 4-7-8-Atmung?

Bauchatmung beschreibt, wohin dein Atem fließt, in den Bauch statt in die Brust, ganz ohne festen Rhythmus oder Zählen. Die 4-7-8-Atmung baut auf einer ähnlichen tiefen Atmung auf, gibt dir aber zusätzlich feste Sekundenzahlen für Ein- und Ausatmen sowie eine Haltephase vor. Für den Einstieg reicht die einfache Bauchatmung völlig, die 4-7-8-Atmung kannst du danach ergänzen, wenn du magst.

Andreas Jansen, Gründer von 8Breath
Über den AutorAndreas Jansen · Gründer von 8Breath

Hey, ich bin Andreas, Gründer von 8Breath. Ich schreibe auf diesem Blog Artikel über die richtige Atmung, unser Nervensystem und meine Erfahrungen mit Meditation und Stressabbau. Ich teile dabei Dinge, die mir selbst weitergeholfen haben, und hoffe, dass es dir auch weiterhilft. Mehr über mich erfährst du auf meiner persönlichen Webseite.

Wissenschaftliche Quellen

Ma, X. et al. (2017): The Effect of Diaphragmatic Breathing on Attention, Negative Affect and Stress in Healthy Adults. Frontiers in Psychology, 8:874. doi.org/10.3389/fpsyg.2017.00874
Zaccaro, A. et al. (2018): How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience, 12:353. doi.org/10.3389/fnhum.2018.00353