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Schlaf

Atemübungen zum Einschlafen: So kommst du abends runter

Von Andreas Jansen · 17. Juli 2026 · 9 Min.

Frau schläft ruhig im Bett, nachdem sie Atemübungen zum Einschlafen gemacht hat
Foto: KATRIN BOLOVTSOVA / Pexels

Du fällst todmüde ins Bett, und trotzdem passiert nichts. Der Körper ist schwer, die Augen brennen, aber irgendetwas in dir läuft noch auf Betriebstemperatur. Du drehst dich um, schaust auf die Uhr, rechnest aus, wie viel Schlaf noch übrig wäre, und wirst davon nur noch wacher.

Bei mir war das jahrelang so. Ich dachte lange, das sei eine Frage der Müdigkeit, ich müsse nur erschöpft genug sein, dann klappt das schon. Bis ich gemerkt habe, dass mein Körper gar nicht auf Müdigkeit wartet, sondern auf ein Signal. Und dass ich dieses Signal über die Atmung selbst geben kann.

Besserer Schlaf ist keine Magie, sondern eine Frage kleiner, konsequenter Routinen. Du musst dich nicht in den Schlaf zwingen, du musst deinem Nervensystem nur oft genug sagen, dass jetzt Feierabend ist. Genau das machen die drei Atemübungen hier.

Kurz gesagt: Zum Einschlafen atmest du am besten kürzer ein als aus, zum Beispiel vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus, ganz ohne Luftanhalten. Der Grund ist physiologisch: Dein Puls sinkt beim Ausatmen, weil der Vagusnerv genau dann bremst. Wer von den üblichen zwölf bis sechzehn Atemzügen pro Minute auf etwa sechs heruntergeht, gibt dem Nervensystem ein klares Ruhesignal, und der Körper darf umschalten.

3 Atemübungen zum Einschlafen

  1. 4-6-Atmung: Atme 4 Sekunden durch die Nase ein und 6 Sekunden ruhig wieder aus, ohne Luftanhalten dazwischen. Gib der Übung fünf bis zehn Minuten, nach drei Atemzügen passiert meistens noch nichts.
  2. Mondatmung: Verschließ dein rechtes Nasenloch sanft mit dem Daumen, atme langsam durch das linke ein, wechsle dann mit dem Ringfinger und atme rechts wieder aus. Zehn bis zwanzig Atemzüge reichen, ohne Druck und ohne die Nase fest zuzudrücken.
  3. Ausatem-Körperscan: Geh deinen Körper von den Füßen bis zur Stirn durch und lass mit jeder Ausatmung eine Region schwerer werden. Anspannen gehört hier ausdrücklich nicht dazu, es geht nur ums Loslassen und Weiterziehen.

Übung 1: Die 4-6-Atmung

Das ist die Übung, mit der du anfangen solltest, wenn du nur eine mitnimmst. Sie ist unspektakulär, und genau das ist ihre Stärke: Du atmest vier Sekunden durch die Nase ein und sechs Sekunden ruhig wieder aus, ganz ohne Luftanhalten oder komplizierte Zählerei. Selbst im Halbschlaf kannst du dabei kaum etwas falsch machen.

Warum ohne Halten? Weil die Haltephase für viele Menschen genau das Gegenteil bewirkt. Wenn du im Bett liegst und die Luft sieben Sekunden anhältst, kann sich das je nach Tagesform leicht nach Anstrengung anfühlen, und Anstrengung ist beim Einschlafen der falsche Reiz. Die bekannte 4-7-8-Atmung arbeitet mit so einer Haltephase, und für viele funktioniert sie hervorragend. Wenn du aber merkst, dass dich das Anhalten eher wach macht, ist die 4-6-Atmung die entspanntere Schwester mit demselben Wirkprinzip.

Dieses Wirkprinzip heißt respiratorische Sinusarrhythmie und ist erstaunlich handfest: Dein Herzschlag ist nicht gleichmäßig, er wird beim Einatmen etwas schneller und beim Ausatmen etwas langsamer. Verantwortlich dafür ist der Vagusnerv, der beim Ausatmen aktiver wird und den Puls abbremst. Eine lange Ausatmung ist deshalb kein Wohlfühl-Ritual, sondern ein direkter Hebel auf dein Herz. Ein systematischer Übersichtsartikel von Zaccaro und Kollegen (2018) hat die Forschung dazu zusammengetragen: Langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung erhöht durchgängig die Herzratenvariabilität und die Aktivität des Parasympathikus, und die Teilnehmenden berichteten von mehr Ruhe und weniger Anspannung.

Atme einfach mit der Animation mit. Der Balken steigt beim Einatmen und sinkt langsam beim Ausatmen. Wenn du im Bett liegst und das Handy schon weggelegt hast, umso besser, dann zähl einfach innerlich mit.

4-6-Atmung: animierte Übung
4 Sekunden ein · 6 Sekunden aus · kein Halten

Rechne nicht damit, dass du nach drei Atemzügen weg bist. Gib der Übung fünf bis zehn Minuten. Und falls du mittendrin einschläfst: Genau dafür ist sie da.


Übung 2: Die Mondatmung

Diese Übung kennen die wenigsten, und sie ist mein Geheimtipp für Abende, an denen der Kopf noch zu voll ist. Sie stammt aus dem Yoga und heißt dort Chandra Bhedana, auf Deutsch Mondatmung. Der Name kommt daher, dass das linke Nasenloch in der Yoga-Tradition der kühlenden, ruhigen Mondseite zugeordnet wird, während die rechte Seite für die aktivierende Sonnenseite steht.

So geht es: Leg dich auf die Seite oder setz dich aufrecht hin. Verschließ dein rechtes Nasenloch sanft mit dem Daumen und atme langsam durch das linke ein. Verschließ dann das linke Nasenloch mit dem Ringfinger, öffne das rechte und atme dort wieder aus. Mach das für zehn bis zwanzig Atemzüge, ohne Druck. Mehr ist es nicht.

Ich will hier ehrlich sein: Die Studienlage zur einseitigen Nasenatmung ist deutlich dünner als die zur verlangsamten Atmung. Was gesichert ist, ist der Effekt der Verlangsamung selbst, und den bekommst du hier automatisch mit, weil durch ein Nasenloch schlicht weniger Luft passt und dein Atem dadurch von allein ruhiger wird. Ob darüber hinaus die Seite eine eigene Rolle spielt, ist offen. Für mich funktioniert die Übung trotzdem verlässlich, und sie hat einen praktischen Nebeneffekt: Sie beschäftigt den Kopf gerade so weit, dass er aufhört, den nächsten Tag durchzuplanen.

Die klassische Wechselatmung, bei der du die Nasenlöcher abwechselnd verschließt, ist übrigens die aktivere Variante für tagsüber. Die findest du im Artikel Atmung gegen Stress mit einer eigenen Klick-Anleitung.


Übung 3: Der Ausatem-Körperscan

Manchmal ist nicht der Kopf das Problem, sondern der Körper. Du liegst da und merkst gar nicht, dass dein Kiefer noch zusammengebissen ist, die Schultern hochgezogen sind und die Stirn arbeitet, als würdest du gerade eine Steuererklärung machen. Diese Restspannung hält dich wach, auch wenn du sie nicht bewusst spürst.

Der Ausatem-Körperscan koppelt das Loslassen an deine Ausatmung. Du gehst deinen Körper von unten nach oben durch und schickst mit jeder Ausatmung eine Region in die Schwere: Füße, Waden, Oberschenkel, Becken, Bauch, Hände, Arme, Schultern, Kiefer, Stirn. Ein Ausatem pro Region, kein Anspannen, kein Zählen, nur loslassen und weiterziehen.

Genau das ist der Unterschied zur progressiven Muskelentspannung, bei der du jede Muskelgruppe erst bewusst anspannst und dann löst. Das eignet sich tagsüber gut, im Bett ist es mir persönlich zu viel Betrieb. Hier fällt das Anspannen weg, es bleibt nur das Loslassen im Takt der Ausatmung. Wenn du am Kiefer ankommst und merkst, dass da tatsächlich Spannung war, hat sich die Übung schon gelohnt.


Wenn du lieber zuhörst statt selbst zu zählen

Die drei Übungen oben sind aktiv, du zählst, steuerst den Atem und bestimmst selbst Tempo und Rhythmus. Es gibt aber auch die andere Richtung: geführte Atem-Audios und Einschlafgeschichten, bei denen eine Stimme dich durch den Abend führt und du nur noch zuhörst, ohne selbst etwas zu tun.

Für manche Abende ist das die bessere Wahl. Wenn dein Kopf schon voll ist, kann selbst das Zählen bei einer Atemtechnik wie eine weitere Aufgabe wirken, noch etwas, das du richtig machen musst. Andere wollen abends schlicht nicht mehr aktiv sein und lassen sich lieber berieseln, statt selbst die Führung zu übernehmen. Beides ist eine legitime Tür zum selben Ziel, und du kannst von Abend zu Abend wechseln, je nachdem, wonach dir gerade ist.

Ich achte bei den Audios in der 8Breath App bewusst auf eine langsame, ruhige Stimme, weil ich den Eindruck habe, dass schon der Tonfall selbst einen Teil der beruhigenden Wirkung ausmacht, unabhängig vom Inhalt. Belegt ist das nicht wirklich, eher eine Beobachtung aus eigener Erfahrung. Ein tiefer, gleichmäßiger Tonfall ohne Eile scheint dem Nervensystem ein ähnliches Signal zu geben wie die langsame Atmung selbst, nämlich dass gerade nichts Dringendes passiert. Dort findest du neben den Atemübungen zum Selbermachen auch geführte Atem-Audios fürs Runterkommen am Abend sowie ruhig vorgelesene Einschlafgeschichten und Traumreisen zum Nur-noch-Zuhören.


Dein Abend entscheidet, nicht dein Bett

Die härteste Wahrheit zuerst: Wenn dein Nervensystem um 23 Uhr noch auf Hochtouren läuft, kann keine Atemübung der Welt das in fünf Minuten komplett auflösen. Die Atmung ist ein Verstärker für einen Abend, der in die richtige Richtung läuft, kein Notausgang aus einem Abend, der bis zur letzten Minute Vollgas war.

Eine Faustregel, die bei mir viel verändert hat, ist die 3-2-1-Regel: drei Stunden vor dem Schlafen nichts Größeres mehr essen, zwei Stunden vorher aufhören zu arbeiten, eine Stunde vorher kein Bildschirm. Wenn dir die volle Stunde ohne Bildschirm unrealistisch vorkommt, fang mit dreißig Minuten an, schon das plus gedimmtes Licht verkürzt die Einschlafzeit spürbar.

Damit das nicht abstrakt bleibt, habe ich dir einen kleinen Planer gebaut. Trag ein, wann du schlafen willst, und du bekommst deinen Abend rückwärts gerechnet, mit echten Uhrzeiten.

Abend-Runterfahr-Planer

Zwei Dinge, die dieser Planer nicht abbildet und die ich trotzdem nennen muss, weil sie zu den größten Hebeln gehören: Alkohol und Nikotin am Abend können deinen REM- und Tiefschlaf deutlich stören. Das ist keine Moral, das ist Physiologie. Ich habe mich selbst lange gefragt, ob das Glas Wein wirklich beim Runterkommen hilft. Das Gefühl ist verständlich, aber der Körper entspannt sich dabei oft nicht wirklich, er kämpft gerade.


Warum Atmung beim Einschlafen überhaupt wirkt

In Ruhe atmet ein Erwachsener etwa zwölf bis sechzehn Mal pro Minute. Wenn du bewusst auf ungefähr sechs Atemzüge heruntergehst, also rund fünf Sekunden ein und fünf Sekunden aus oder eben vier und sechs, landest du in einem Bereich, den die Forschung Resonanzfrequenz nennt. Lehrer und Gevirtz (2014) beschreiben, dass die Herzratenvariabilität genau bei dieser Atemgeschwindigkeit ihr Maximum erreicht, der Punkt, an dem Atmung und Herzschlag optimal zusammenschwingen. Dass langsames, bewusstes Atmen generell beruhigend auf das autonome Nervensystem wirkt, fasst der Übersichtsartikel von Zaccaro et al. (2018) zusammen.

Für dich im Bett heißt das schlicht: Du kannst dich nicht zum Schlafen zwingen, aber du kannst die Bedingungen schaffen, unter denen Schlaf passiert. Und die Atmung ist der einzige Zugang zum autonomen Nervensystem, den du bewusst bedienen kannst. Alles andere, Puls, Blutdruck, Verdauung, läuft ohne dich.

Ich habe das selbst über Monate mit einem Whoop-Tracker getestet und dabei vor allem auf meinen Tiefschlaf geschaut, weil ich wissen wollte, was von den ganzen Schlaftipps bei mir tatsächlich in den Daten ankommt. Ganz oben stand die Box-Atmung (vier Sekunden ein, halten, aus, halten), neben Meditation, Body Scan und Lesen. Was mich dabei am meisten überzeugt hat, war die Ehrlichkeit der Zahlen: Die Nächte nach Alkohol, nach spätem Essen oder nach stressigen Tagen sehen in den Daten genau so aus, wie sie sich anfühlen, nur eben in Zahlen.

Ein Gegenpunkt dazu, der mir wichtig ist: Wenn dich das Tracking selbst stresst, lass es weg. Gerade wenn wir uns zu viel Stress um guten Schlaf machen, sollten wir mit aktivem Schlaf-Tracking aufhören und einfach auf den Körper hören. Eine Zahl, die dir morgens sagt, dass du schlecht geschlafen hast, macht den Tag nicht besser.


Wenn du nachts um drei aufwachst

Nachts aufzuwachen ist normal, das passiert jedem mehrmals pro Nacht. Der Unterschied ist nur, ob du wieder wegdriftest oder ob dein Kopf die Gelegenheit nutzt, um sofort das Meeting von morgen durchzuspielen.

Was hier meistens hilft: nicht auf die Uhr schauen. Sobald du weißt, dass es 3:14 Uhr ist, rechnet dein Gehirn aus, wie wenig Schlaf noch bleibt, und diese Rechnung ist der Weckruf, nicht das Aufwachen selbst. Dreh das Display weg und geh direkt in die 4-6-Atmung, ohne zu zählen oder zu bewerten, wie lange du schon wach bist. Einfach vier ein, sechs aus.

Wenn nach etwa zwanzig Minuten nichts passiert und du merkst, dass du dich im Bett nur noch ärgerst, steh kurz auf. Geh in einen anderen Raum, lass das Licht gedimmt, lies ein paar Seiten auf Papier und geh zurück, wenn die Müdigkeit kommt. Das klingt kontraintuitiv, verhindert aber, dass dein Kopf das Bett mit Wachliegen verknüpft.

Wenn dich abends und nachts vor allem kreisende Gedanken wachhalten, ist das ein eigenes Thema. Wie du das Grübeln unterbrichst, statt nur ruhiger zu atmen, habe ich im Artikel Gedankenkarussell stoppen ausführlich beschrieben, dort geht es um den Kopf, hier um den Körper.


Wann Atmung allein nicht reicht

Ich baue eine Atem-App, und trotzdem sage ich dir das: Kein Tool ersetzt die Basics. Ein dunkles, kühles Zimmer, als Richtwert etwa sechzehn bis achtzehn Grad, Stille, keine Elektronik neben dem Bett und regelmäßige Zubettgehzeiten wirken bei den meisten Menschen mehr als eine einzelne Atemtechnik. Die Atmung ist das Werkzeug für den Moment, nicht der Ersatz für einen Abend, der grundsätzlich nicht funktioniert.

Und es gibt eine klare Grenze: Wenn du über mehrere Wochen kaum oder sehr schlecht schläfst, wenn du morgens trotz ausreichender Zeit im Bett wie gerädert aufwachst, wenn dein Partner lautes Schnarchen mit Atemaussetzern beobachtet oder wenn die Schlaflosigkeit mit gedrückter Stimmung zusammenkommt, dann sprich das ärztlich ab. Chronische Insomnie und Schlafapnoe sind gut behandelbar, ein Termin beim Hausarzt oder im Schlaflabor ist dafür der richtige nächste Schritt, nicht eine weitere Atemübung aus dem Internet.

Und falls es heute Nacht trotzdem nichts wird: Das ist keine gescheiterte Übung, nur eine einzelne Nacht in einer langen Reihe. Leg dich hin, atme zehn Runden lang vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus, und achte nur darauf, wie sich die Ausatmung anfühlt, nicht darauf, ob du schon müde wirst. Meistens kippt das Nervensystem genau dann um, wenn du aufhörst, danach zu schauen.

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Häufige Fragen

Welche Atemübung hilft am schnellsten beim Einschlafen?

Besonders gut wirkt eine Atmung, bei der die Ausatmung länger ist als die Einatmung, zum Beispiel vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Weil dein Puls beim Ausatmen von allein sinkt, gibst du dem Körper damit ein klares Ruhesignal. Leg dich hin, zähl beim Ausatmen innerlich bis sechs und gib der Übung fünf bis zehn Minuten, statt nach drei Atemzügen zu prüfen, ob es schon wirkt.

Wie atme ich richtig, um schnell einzuschlafen?

Durch die Nase, langsam, und mit einer Ausatmung, die länger ist als die Einatmung. Statt der üblichen zwölf bis sechzehn Atemzüge pro Minute gehst du auf etwa sechs herunter. Wichtig ist, dass du nichts erzwingst: Der Atem soll fließen, nicht gepresst werden. Wenn du merkst, dass du dich anstrengst, mach die Zählzeiten kürzer, zum Beispiel drei ein und fünf aus.

Ist die 4-7-8-Atmung oder die 4-6-Atmung besser zum Einschlafen?

Das hängt von dir ab. Die 4-7-8-Atmung hat eine Haltephase von sieben Sekunden, die viele als angenehm tief empfinden, andere aber leicht anstrengend finden, und Anstrengung ist im Bett kontraproduktiv. Die 4-6-Atmung lässt das Halten weg und behält das Wirkprinzip der langen Ausatmung. Probier beide an zwei Abenden aus und bleib bei der, bei der du weniger nachdenken musst.

Wie lange sollte ich abends Atemübungen machen, damit es etwas bringt?

Fünf bis zehn Minuten reichen völlig, wenn du sie regelmäßig machst. Wichtiger als die Dauer ist, dass es jeden Abend am selben Punkt passiert, weil dein Nervensystem den Ablauf dann als Signal lernt. Bei mir hat es ein paar Wochen gedauert, bis das Hinlegen selbst schon müde gemacht hat. Koppel die Übung am besten an etwas, das ohnehin passiert, zum Beispiel direkt nach dem Zähneputzen.

Was mache ich, wenn ich nachts um drei aufwache und nicht mehr einschlafen kann?

Als Erstes: nicht auf die Uhr schauen. Sobald du die Uhrzeit kennst, rechnet dein Kopf aus, wie wenig Schlaf noch bleibt, und genau diese Rechnung weckt dich richtig auf. Dreh das Display weg und geh direkt in die 4-6-Atmung. Wenn nach etwa zwanzig Minuten nichts passiert, steh kurz auf, lies bei gedimmtem Licht ein paar Seiten auf Papier und geh zurück, wenn die Müdigkeit kommt.

Warum werde ich von Atemübungen manchmal wacher statt müder?

Das passiert meistens aus zwei Gründen. Entweder atmest du zu tief und zu kräftig, dann ist es eher eine Überatmung als eine Entspannung, und dir wird leicht schwindelig. Oder die Haltephase in Techniken wie 4-7-8 fühlt sich für dich nach Anstrengung an. In beiden Fällen hilft: flacher, natürlicher atmen, das Halten weglassen und die Zählzeiten verkürzen.

Hilft Atmung auch, wenn mein Problem eher das Gedankenkarussell ist?

Teilweise. Die Atmung holt dich in den Körper zurück und senkt das Erregungsniveau, aber gegen kreisende Gedanken brauchst du oft zusätzlich etwas, das den Kopf beschäftigt oder entlastet, zum Beispiel alles Offene vor dem Schlafen kurz auf Papier zu schreiben. Ich habe dem Thema einen eigenen Artikel gewidmet, weil es dort weniger um den Körper und mehr um den Kopf geht.

Kann ich Atemübungen im Bett im Liegen machen oder muss ich sitzen?

Im Liegen ist zum Einschlafen genau richtig, dafür sind diese drei Übungen gemacht. Sitzen brauchst du nur bei Techniken mit längerem Luftanhalten, weil dir dabei theoretisch schwindelig werden kann. Bei der 4-6-Atmung und dem Körperscan gibt es diese Sorge nicht. Die Mondatmung geht im Liegen auf der Seite am bequemsten.

Andreas Jansen, Gründer von 8Breath
Über den AutorAndreas Jansen · Gründer von 8Breath

Hey, ich bin Andreas, Gründer von 8Breath. Ich schreibe auf diesem Blog Artikel über die richtige Atmung, unser Nervensystem und meine Erfahrungen mit Meditation und Stressabbau. Ich teile dabei Dinge, die mir selbst weitergeholfen haben, und hoffe, dass es dir auch weiterhilft. Mehr über mich erfährst du auf meiner persönlichen Webseite.

Wissenschaftliche Quellen

Zaccaro, A. et al. (2018): How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience. doi.org/10.3389/fnhum.2018.00353
Lehrer, P. M. & Gevirtz, R. (2014): Heart rate variability biofeedback: how and why does it work? Frontiers in Psychology. doi.org/10.3389/fpsyg.2014.00756
Balban, M. Y. et al. (2023): Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine. Untersucht Stimmung und Erregungsniveau nach kurzen Atemübungen wie Box-Atmung, nicht speziell die Schlafqualität. doi.org/10.1016/j.xcrm.2022.100895