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Familie

Atemübungen mit Kindern: So kommst du spielerisch zur Ruhe

Von Andreas Jansen · 15. Juli 2026 · 8 Min.

Mutter und Kind atmen gemeinsam ruhig, spielerische Atemübung

Kinder kommen von hundert auf null nur schwer von allein herunter, das kennt vermutlich jedes Elternteil. Atemübungen geben ihnen ein Werkzeug an die Hand, das immer dabei ist, egal ob im Kinderzimmer, im Auto oder beim Kindergeburtstag. Der Trick dabei: Es muss sich wie ein Spiel anfühlen, nicht wie eine Übung.

Ich hab das mit meiner Nichte ausprobiert, als sie mal wieder komplett aufgedreht war, mit der Ballon-Atmung, und war selbst überrascht, wie schnell sie runterkam, kaum drei Minuten. Genau darum geht es hier: nicht um Disziplin, sondern um ein Spiel, das nebenbei beruhigt.

Kurz gesagt: Wähl die Übung nach der Situation, nicht nach Lust und Laune, dein Kind aus. Bei Wutanfällen wirkt die Löwenatmung bei vielen Kindern schnell, zum Einschlafen hilft eher die Kuscheltier-Atmung, bei Aufregung vor einem Ereignis die Ballon-Atmung. Nutz den Finder direkt darunter, wenn du unsicher bist.


Welche Übung passt zu welcher Situation?

Klick auf das, was gerade bei deinem Kind los ist, dann zeige ich dir die passende Übung.

Was ist gerade los?


Warum das bei Kindern so gut wirkt

Der Grund ist derselbe wie bei Erwachsenen: Eine langsame, ruhige Ausatmung sagt dem Nervensystem, dass gerade keine Gefahr droht, und aktiviert den Parasympathikus, den Ruhe-Nerv. Bei Kindern kommt aber etwas dazu, das Erwachsenen oft fehlt: Sie lassen sich viel leichter auf ein Fantasiebild ein, ein Luftballon im Bauch oder eine Blume unter der Nase funktioniert bei ihnen fast automatisch, ganz ohne Erklärung des "Warum".

Kinder lernen dabei ganz nebenbei, sich selbst zu regulieren, eine Fähigkeit, die ihnen ein Leben lang hilft, ob vor dem Einschlafen, bei einem Wutanfall oder später vor der ersten Prüfung. Je öfter du eine Übung gemeinsam machst, desto eher kann dein Kind irgendwann von selbst darauf zurückgreifen, auch ohne dass du extra daran erinnerst.


Mach mit: Ballon-Atmung zum Ausprobieren

Stell dir mit deinem Kind vor, im Bauch wäre ein Luftballon. Beim Einatmen füllt er sich und wird rund, beim Ausatmen wird die Luft langsam wieder rausgelassen. Gut geeignet, wenn Aufregung oder leichte Anspannung da ist, zum Beispiel vor dem Kindergarten oder einem Auftritt.

Ballon-Atmung: animierte Übung
4 Sekunden Luftballon füllen · 4 Sekunden Luft rauslassen

Fünf Runden reichen für den Anfang. Wenn dein Kind Spaß daran hat, atmet ihr einfach weiter, solange die Animation läuft.


Sechs weitere Übungen nach Alter sortiert

Nicht jede Übung passt zu jedem Alter. Hier eine Auswahl, sortiert danach, wie leicht sie fällt.

ab ca. 3 Jahren

Blume und Kerze

An einer Blume riechen (durch die Nase ein), dann eine Kerze auspusten (langsam durch den Mund aus). Der Klassiker, weil er ohne Erklärung funktioniert, einfach nachmachen lassen.

ab ca. 3 Jahren

Kuscheltier-Atmung

Das Kind legt sich hin, ein Kuscheltier auf den Bauch. Beim Einatmen hebt es sich, beim Ausatmen sinkt es sanft wieder. Besonders gut als Einschlafritual, weil es automatisch die Bauchatmung fördert, ganz ohne Anweisung.

ab ca. 4 Jahren

Seifenblasen pusten

Echtes Pusten macht die lange, ruhige Ausatmung ganz von selbst, du musst gar nichts erklären. Prima für draußen und als Übergang, wenn ein Kind gerade zu aufgedreht für eine "richtige" Atemübung ist.

ab ca. 5 Jahren

Löwenatmung

Tief durch die Nase einatmen, dann mit weit herausgestreckter Zunge und lautem "Haaa" durch den Mund ausatmen, wie ein brüllender Löwe. Wirkt paradox, aber genau das kräftige, laute Ausatmen kann helfen, Wut oder Anspannung etwas herauszulassen.

ab ca. 5 Jahren

Zählatmen

Gemeinsam auf 4 einatmen, auf 6 ausatmen, mit den Fingern mitzählen. Das Zählen gibt älteren Kindern eine Struktur, die sie selbstständig anwenden können, auch ohne dich daneben.

ab ca. 6 Jahren

Windrädchen

Mit einem echten Windrädchen (oder der Hand als Fantasie-Windrad) lang und gleichmäßig anpusten, so dass es sich möglichst lange dreht. Trainiert nebenbei eine kontrollierte, verlängerte Ausatmung, ideal auch bei leichter Prüfungsangst vor einem Test.

Ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Am besten machst du mit, statt nur anzuleiten. Kinder machen vor allem das nach, was sie sehen, nicht das, was ihnen gesagt wird. Als festes Ritual vor dem Schlafengehen wird das Atmen so schnell zu etwas, worauf sich beide freuen.


Wie du eine Übung überhaupt einführst

Der beste Zeitpunkt, eine neue Übung vorzustellen, ist NICHT mitten in der Krise, sondern ein ruhiger Moment dazwischen, etwa beim Vorlesen oder auf dem Sofa. Übt ihr eine Technik schon ein paarmal in Ruhe, erinnert sich dein Kind später auch in einer aufgeregten Situation viel leichter daran. Mitten im Wutanfall eine unbekannte Übung vorzuschlagen, funktioniert dagegen fast nie.

Gib der Übung außerdem einen Namen, den dein Kind kennt, "wir machen jetzt die Löwenatmung" statt einer langen Erklärung. Kinder reagieren auf feste, wiederkehrende Rituale besser als auf spontane Anweisungen, gerade wenn sie schon aufgeregt sind.


Worauf Eltern achten sollten

Lass Kinder die Luft nicht bewusst lange anhalten und dräng sie zu nichts, auch wenn eine Übung gerade nicht klappt. Es geht ums sanfte, spielerische Atmen, nicht um Leistung oder Wiederholungszahlen. Lacht dein Kind mittendrin, übertreibt das Löwenbrüllen bewusst oder läuft einfach weg, ist das kein Problem, sondern gehört zum Spiel dazu, einfach mitmachen oder locker bleiben. Zeigt ein Kind Widerstand, ist das kein Scheitern, brich einfach ab und versuch es später wieder, ganz ohne Druck.

Kurz zusammengefasst

  • Immer als Spiel anleiten, nie als Pflichtübung
  • Ein bis drei Minuten reichen völlig, kürzer ist besser als erzwungen lang
  • Selbst mitmachen wirkt stärker als nur Anweisungen geben
  • Bei häufiger Atemnot, Schnarchen oder Asthma: mit dem Kinderarzt sprechen

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter können Kinder Atemübungen machen?

Schon ab etwa 3 Jahren funktionieren einfache Übungen wie Blume und Kerze oder die Kuscheltier-Atmung, weil sie ohne Erklärung durch Nachmachen funktionieren. Übungen mit Zählen oder bewusster Kontrolle eignen sich eher ab 5 bis 6 Jahren.

Welche Atemübung hilft am besten bei einem Wutanfall?

Bei vielen Kindern wirkt die Löwenatmung schnell, weil das kräftige, laute Ausatmen wie ein Ventil für die aufgestaute Anspannung wirken kann. Wichtig ist, sie erst anzubieten, wenn der erste Wutschwall etwas abgeklungen ist, mitten im Höhepunkt hört ein Kind noch nicht zu.

Wie oft sollten Kinder Atemübungen machen?

Ein bis drei Minuten, ein- bis zweimal am Tag, reichen völlig, etwa als festes Abendritual vor dem Schlafen. Häufiger und kürzer wirkt besser als selten und lang.

Was mache ich, wenn mein Kind keine Lust auf die Übung hat?

Nicht drängen, einfach selbst weitermachen und locker bleiben. Oft steigen Kinder nach ein, zwei Minuten von allein ein, sobald sie merken, dass es kein Muss ist.

Helfen Atemübungen bei Prüfungsangst oder vor Auftritten?

Ja, besonders die Ballon-Atmung oder das Windrädchen-Pusten eignen sich gut kurz vor einem aufregenden Moment, weil sie unauffällig sind und schnell wirken.

Kann ich Atemübungen auch in der Kita oder Schule einsetzen?

Ja, gerade die Löwenatmung und Zählatmen lassen sich gut in einer Gruppe anleiten, am besten als kurzes, wiederkehrendes Ritual, etwa nach der Pause oder vor einer konzentrierten Aufgabe.

Sind Atemübungen für Kinder mit Asthma geeignet?

Sanfte Übungen sind in der Regel unbedenklich, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung. Bei häufiger Atemnot oder unklaren Symptomen sprich es vorher mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin ab.

Andreas Jansen, Gründer von 8Breath
Über den AutorAndreas Jansen · Gründer von 8Breath

Hey, ich bin Andreas, Gründer von 8Breath. Ich schreibe auf diesem Blog Artikel über die richtige Atmung, unser Nervensystem und meine Erfahrungen mit Meditation und Stressabbau. Ich teile dabei Dinge, die mir selbst weitergeholfen haben, und hoffe, dass es dir auch weiterhilft. Mehr über mich erfährst du auf meiner persönlichen Webseite.

Wissenschaftliche Quellen

Zaccaro, A. et al. (2018): How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience. doi.org/10.3389/fnhum.2018.00353