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Atemübungen für Senioren: Was wirklich gut hilft

Von Andreas Jansen · 15. Juli 2026 · 7 Min.

Ältere Frau sitzt entspannt und lächelt, Sinnbild für sanfte Atemübungen im Alter

Meine Großmutter hat mich mal gefragt, ob "dieses Atem-Zeug" nicht nur was für junge, sportliche Leute ist. Ist es nicht. Atmen ist eine der wenigen Übungsformen, die in fast jedem Alter funktionieren, ohne Geräte, ohne Kraftaufwand, meistens sogar bequem im Sitzen.

Mit den Jahren wird die Atmung bei vielen Menschen flacher, die Atemmuskulatur schwächer, und Anspannung setzt sich schneller fest. Genau hier setzen die Übungen unten an. Wichtig ist dabei nur eine Regel: sanft statt angestrengt. Wird dir dabei schwindelig, ist das kein Zeichen, dass du etwas falsch machst, sondern ein Signal zum Pausieren: einfach abbrechen und normal weiteratmen.

Kurz gesagt: Für den Einstieg eignet sich die verlängerte Ausatmung am besten, 4 Sekunden ein, kurz halten, 6 Sekunden aus, im bequemen Sitzen. Bei Bluthochdruck oder Herzproblemen solltest du Techniken mit langem Atemanhalten meiden. Scroll runter zum Sicherheits-Check, wenn du eine Vorerkrankung hast.


Warum die Atmung im Alter flacher wird

Das hat mehrere Gründe, die zusammenwirken können. Bei manchen Menschen verliert der Brustkorb mit den Jahren an Elastizität, das Zwerchfell arbeitet dann weniger kräftig, und wer viel sitzt, atmet ohnehin eher flach in die obere Brust statt tief in den Bauch. Dazu kommt: Bei manchen älteren Menschen sitzt Anspannung schneller fest, etwa wenn Sorgen um die eigene Gesundheit oder Einsamkeit dazukommen.

Trotzdem lässt sich die Atemmuskulatur in praktisch jedem Alter wieder etwas kräftigen, ähnlich wie jeder andere Muskel auch. Schon eine bewusst verlangsamte, verlängerte Ausatmung wirkt auf den Parasympathikus: Er wird besonders beim Ausatmen aktiv, Puls und Blutdruck sinken dabei ein kleines Stück ab. Das erklärt, warum sich schon eine einzelne ruhige Atemminute oft spürbar anders anfühlt.


Was dir regelmäßiges Üben bringen kann


Die Basis-Übung: verlängerte Ausatmung

Setz dich aufrecht, aber bequem hin, beide Füße auf dem Boden, Schultern locker. Diese Übung ist der sanfteste Einstieg, weil sie nur eine sehr kurze, zwei Sekunden lange Halte-Phase enthält statt einer längeren Atemanhalte-Phase wie bei anderen Techniken. Sie ist deshalb auch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen in der Regel unbedenklich (bei Unsicherheit trotzdem vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen).

Verlängerte Ausatmung: animierte Übung
4 Sekunden ein · 2 Sekunden halten · 6 Sekunden aus

Sechs Runden reichen für den Anfang, das sind etwa anderthalb Minuten. Wenn es sich gut anfühlt, kannst du einfach weiteratmen, solange die Animation läuft.

Meine Großmutter macht diese Übung inzwischen jeden Morgen beim Kaffee, sitzend am Küchentisch. Sie sagt, das Einzige, was sie am Anfang falsch gemacht hat, war zu sehr zu pressen. Locker lassen ist wichtiger als exakte Sekunden.


Fünf weitere Übungen, sanft dosiert

Wenn dir die Basis-Übung leichtfällt, kannst du dich an diesen fünf weiteren versuchen. Du musst nicht alle davon gleichzeitig lernen: wähl dir täglich ein oder zwei aus, das reicht.

1. Lippenbremse

Atme normal durch die Nase ein, dann durch leicht gespitzte Lippen aus, so als würdest du eine Kerze nur zum Flackern bringen, nicht auspusten. Das hält die Atemwege sanft offen und verlangsamt die Ausatmung von selbst. Besonders hilfreich bei Atemnot, etwa nach Anstrengung, beim Treppensteigen oder bei COPD, weil der leichte Gegendruck verhindert, dass die kleinen Atemwege beim Ausatmen vorzeitig kollabieren.

2. Zählatmung (7er-Rhythmus)

Atme ein und zähle dabei bis 7, halte kurz, atme aus und zähle wieder bis 7. Das Zählen gibt deinem Kopf etwas zum Festhalten und macht die Übung fast automatisch gleichmäßig. Gut geeignet als kleine Konzentrationsübung zwischendurch, zum Beispiel wenn Gedanken kreisen oder du kurz zur Ruhe kommen willst, bevor Besuch kommt oder ein Arzttermin ansteht.

3. Kutschersitz

Setz dich vorne auf die Stuhlkante, Unterarme locker auf den Oberschenkeln, Kopf leicht gesenkt, Rücken rund. Diese Haltung entlastet die Atemmuskulatur besonders gut, weil sie den Schultergürtel von der Atemarbeit befreit. Kombiniere sie mit der Lippenbremse, wenn du kurzatmig bist, das ist eine der wirksamsten Kombinationen bei akuter Atemnot.

4. Getaktetes Atmen beim Gehen

Beim Spazierengehen oder Treppensteigen: 2 Schritte einatmen, 3 Schritte ausatmen. Das verhindert, dass die Atmung bei Anstrengung hektisch und flach wird, und hilft dir, länger durchzuhalten, ohne außer Puste zu geraten. Am Anfang zählst du am besten laut oder im Kopf mit, nach ein paar Tagen stellt sich der Rhythmus von selbst ein.

5. Schäfchen zählen bis 9 (Einschlafhilfe)

Im Liegen: atme ruhig ein und aus und zähl dabei rückwärts von 9 auf 1, ein Atemzug pro Zahl. Danach fängst du wieder bei 9 an. Die Wiederholung wirkt einschläfernd, ähnlich wie die 4-7-8-Atmung, nur ohne feste Haltephase, was manchen Menschen im Liegen angenehmer ist, besonders wenn nächtliches Wachliegen ein Thema ist.

Ein Hinweis aus der Praxis: Du musst nicht alle fünf Übungen können. Wähl zwei, die sich für dich am angenehmsten anfühlen, und bleib eine Weile dabei. Wechselst du zu oft, fehlt der Übungseffekt, der sich erst nach ein, zwei Wochen regelmäßigem Üben richtig einstellt.


Sicherheits-Check: Was du bei Vorerkrankungen beachten solltest

Keine der drei am besten platzierten Ratgeberseiten zu diesem Thema erklärt das wirklich klar getrennt nach Erkrankung, deshalb hier ein kurzer Check. Wähl aus, was auf dich zutrifft:

Hast du eine der folgenden Situationen?


Für Angehörige: Wie du eine Übung anleitest

Viele, die diesen Artikel lesen, suchen nicht für sich selbst, sondern für einen Elternteil oder Großelternteil. Wenn du jemanden anleitest, gilt eine andere Regel als beim Selbstüben: mach die Übung sichtbar mit, statt sie nur zu erklären. Setz dich dazu, atme selbst hörbar ruhig, lass die Person deine Hand auf dem Bauch spüren, wenn Worte allein nicht ankommen.

Bei Demenz oder starker Vergesslichkeit reicht oft schon ein wiederkehrendes Ritual zur gleichen Tageszeit, ganz ohne Erklärung des "Warum". Bei körperlicher Einschränkung, etwa nach einem Schlaganfall, entscheidet allein die betroffene Person das Tempo, nie du. Und: Drängen wirkt fast immer gegenteilig, eine abgebrochene Übung ist kein Scheitern, sondern völlig normal.


So baust du es in deinen Tagesablauf ein

Am einfachsten wird die Übung zur Gewohnheit, wenn du sie an etwas koppelst, das du ohnehin täglich tust: die verlängerte Ausatmung morgens beim ersten Kaffee, das getaktete Atmen beim Spaziergang, das Schäfchen-Zählen im Bett vor dem Einschlafen. Drei feste Momente reichen völlig, mehr braucht es nicht. Wichtiger als die Anzahl der Übungen ist die Regelmäßigkeit, eine tägliche Minute wirkt langfristig mehr als eine einmalige Viertelstunde am Wochenende.

Kurz zusammengefasst

  • Immer sanft üben, nie bis zur Atemnot oder bis dir schwindelig wird
  • Bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck: langes Atemanhalten vermeiden
  • Am besten im Sitzen üben, nicht im Stehen
  • 3 bis 5 Minuten pro Übung reichen völlig aus
  • Bei anhaltender Atemnot: immer ärztlich abklären lassen

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Häufige Fragen

Sind Atemübungen für Senioren gefährlich?

Nein, sanfte Atemübungen mit höchstens kurzen Halte-Phasen sind für die allermeisten Menschen unbedenklich, auch im hohen Alter. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen solltest du nur Techniken mit langem Luftanhalten meiden und im Zweifel vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen.

Welche Atemübung eignet sich bei COPD?

Die Lippenbremse ist hier die Übung erster Wahl, sie hält die Atemwege sanft offen und erleichtert das Ausatmen. Kombiniert mit dem Kutschersitz entlastet sie zusätzlich die Atemmuskulatur.

Wie oft sollten Senioren Atemübungen machen?

Kurz und regelmäßig wirkt besser als selten und lang. Ein bis drei Mal am Tag für jeweils 3 bis 5 Minuten reicht völlig, am besten fest an eine Tageszeit gekoppelt.

Können Atemübungen bei Demenz helfen?

Ja, einfache, wiederkehrende Atemrhythmen können beruhigend wirken, auch wenn komplexere Anleitungen schwerfallen. Am wichtigsten ist hier eine vertraute Begleitperson, die die Übung ruhig vormacht, statt nur Anweisungen zu geben.

Was mache ich, wenn mir bei einer Übung schwindelig wird?

Sofort abbrechen und normal weiteratmen. Schwindel ist ein Signal zum Pausieren, nicht unbedingt ein Zeichen, dass du etwas falsch gemacht hast. Bleib beim nächsten Versuch bei der sanftesten Übung, der verlängerten Ausatmung, und geh nicht bis an deine Grenze. Tritt der Schwindel wiederholt auf, sprich es mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Helfen Atemübungen gegen Bluthochdruck?

Regelmäßiges langsames Atmen kann den Blutdruck über die Aktivierung des Parasympathikus leicht senken helfen, ersetzt aber keine ärztlich verordnete Behandlung. Meide dabei Techniken mit festem Luftanhalten und sprich es mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Kann ich diese Übungen auch im Rollstuhl machen?

Ja, alle hier vorgestellten Übungen funktionieren im Sitzen, egal ob auf einem normalen Stuhl oder im Rollstuhl. Nur beim getakteten Atmen beim Gehen brauchst du natürlich einen Ersatz, etwa getaktetes Atmen bei Armbewegungen.

Andreas Jansen, Gründer von 8Breath
Über den AutorAndreas Jansen · Gründer von 8Breath

Hey, ich bin Andreas, Gründer von 8Breath. Ich schreibe auf diesem Blog Artikel über die richtige Atmung, unser Nervensystem und meine Erfahrungen mit Meditation und Stressabbau. Ich teile dabei Dinge, die mir selbst weitergeholfen haben, und hoffe, dass es dir auch weiterhilft. Mehr über mich erfährst du auf meiner persönlichen Webseite.

Wissenschaftliche Quellen

Zaccaro, A. et al. (2018): How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience. doi.org/10.3389/fnhum.2018.00353
Lehrer, P. M. & Gevirtz, R. (2014): Heart rate variability biofeedback: how and why does it work? Frontiers in Psychology. doi.org/10.3389/fpsyg.2014.00756